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Urknall und schwarze Löcher: Von den Grenzen der Physik

07. Mai. 2019 | Prof. Dr. Kathrin Altwegg

Weisst Du, wieviel Sternlein stehen… Wenn wir in den Nachthimmel schauen, stellen wir uns unwillkürlich diese und ähnliche Fragen. Woher kommen die Sterne, woher die Galaxien? Wie haben sich Jupiter, Mars und die Erde entwickelt? Wie kommt Saturn zu seinen Ringen? Wann war das erste Leben auf der Erde und gibt es da draussen sonst wo noch Leben? Wo hört das Universum auf? Oder hört es nicht auf? Und was ist weiter aussen?

Die drei Grundfragen der Existenz

Schwarze Löcher, dunkle Materie, Urknall: Begriffe, die auch für Laien faszinierend sind. Wann hat das alles begonnen, was war vorher und wie wird es enden? Dann kommen die kritischen Fragen auf: Ich sehe da draussen nirgends einen Gott. Wenn es ihn gibt, wo sitzt er? Hat Gott dies alles wirklich nur für den Menschen geschaffen? Das ist doch nicht effizient! Und wenn er den Menschen gemacht hat, warum ist dieser alles andere als perfekt? Was hat Gott gemacht, bevor er das Universum startete? Warum ist alles vergänglich? Immer wieder werden naturwissenschaftliche Erkenntnisse gegen Religion ausgespielt. Dabei kümmern sich beide um die drei grundlegenden Fragen unserer Existenz:

• Woher kommen wir?
• Wohin gehen wir?
• Sind wir allein?

Der Zweiklang von „Wie“ und „Warum“

Die Naturwissenschaften beschäftigen sich mit dem «Wie». Wie ist das Universum entstanden? Wie lief der Urknall ab? Wie entstehen und vergehen Sterne? Wie bilden sich Planeten? Und wie bildet sich Leben? Religion und Philosophie versuchen sich dem «Warum» anzunähern. Warum gab es einen Urknall? Warum gibt es Leben? Warum gibt es den Menschen? Warum entstehen und vergehen alle Dinge im Universum? Beide Fragestellungen scheinen ein urmenschliches Bedürfnis zu sein. In allen Kulturen, in allen Religionen stehen sie im Zentrum.
Das «Wie» und das «Warum» haben ihre Berechtigung und schliessen einander auf keinen Fall aus. Beide Fragestellungen gehören zueinander wie Licht und Dunkelheit, Elektronen und Protonen, Berg und Tal. Dialoge zwischen Naturwissenschaftlern einerseits und Theologen/Theologinnen oder Philosophen/Philosophinnen andererseits können beiden Gruppierungen helfen, Antworten zu finden. Über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen erweitert den Blickwinkel, macht andere Denkweisen zugänglich, fördert das Verständnis für Naturwissenschaften oder Theologie und Philosophie und –schlussendlich – für den Menschen. Verstehen wir doch die andern nicht als Gegner, aus welcher Ecke wir auch kommen, sondern als Menschen mit einem komplementären Wissen.

Riesenteleskope und offene Fragen

Naturwissenschaften werden nie in der Lage sein Gott zu beweisen, aber sie werden Gott auch nicht widerlegen können. Dank Riesenteleskopen, Weltraummissionen und Grossrechnern machen wir zurzeit enorme Fortschritte beim «Wie». Und doch stossen wir immer wieder an beim «Warum», das man nicht physikalisch beantworten kann. Kann man das «Wie» des Urknalls erklären ohne gleichzeitig zu fragen: Warum? Ich bin froh, Physik studiert zu haben, ist das «Wie» doch viel einfacher zu beantworten als das «Warum». Aber ohne «Warum» stünde das «Wie» auch für mich verloren da.

Prof. Dr. Kathrin Altwegg
Affiliated Professor & Former CSH Director (Planetary Science)
Universität Bern

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